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Medikamentenassoziierte Kiefernekrosen

Als medikamentenassoziierte Kiefernekrose (MAK) werden potenziell vermeidbare Nekrosen der Kiefer bezeichnet, die durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht werden, die einen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel haben. Hierbei spielen insbesondere die sogenannten RANKL-Inhibitoren (z.B. Xgeva®, Prolia®) und die Bisphosphonate (z.B. Fosamax®, Actonel®) eine Rolle. Diese Medikamente werden meist in der Therapie metastasierter Tumorerkrankungen oder zur Frakturprophylaxe bei fortgeschrittener Osteoporose eingesetzt.

Bisphosphonate werden von Osteoklasten, also den Zellen, die normalerweise Knochen abbauen, aufgenommen, stören den intrazellulären Stoffwechsel und verringern deren Lebensdauer drastisch. Hierdurch kommt es zu deren Hemmung und damit zur Verminderung des Knochenabbaus.
RANKL-Inhibitoren verhindern die Reifung von Osteoklasten aus Vorläuferzellen, indem sie den physiologischen Signalweg, der diese Reifung induziert, hemmen.. Auch dieser Mechanismus führt zu einer verringerten Osteoklastenaktivität und damit zur Hemmung des Knochenabbaus. Dieser Effekt kann beispielsweise das Wachstum bösartiger Knochenmetastasen bestimmter Tumorerkrankungen hemmen, oder den Knochenverlust bei Patienten mit Osteoporose verlangsamen.

Gesunder Knochen unterliegt einem permaneneten Prozess, der als Remodeling bezeichnet wird. Das bedeutet, der Knochen unterliegt einem Gleichgewicht aus regelmäßigem und zeitgleichem Auf- und Abbau. Dieser Vorgang stellt sicher, dass altes Knochengewebe durch neues ersetzt wird und der Knochen seine Stabilität erhält. Dieses Gleichgewicht wird durch die Einnahme von Knochenstoffwechselmedikamenten beeinträchtigt, sodass der Knochen die Fähigkeit zur Selbstreparatur und -erneuerung verliert.

Aus diesem Grund können vermeintlich harmlose dentale Pathologien, wie kleine Prothesendruckstellen unter diesen Therapien zu ausgedehnten Nekrosen der Kieferknochen führen, welche großflächiger Resektionen bedürfen. Insbesondere bei intravenöser Gabe und bei der Therapie von Knochenmetastasen besteht durch die antiresorptive Therapie ein deutlich erhöhtes Risiko für das Auftreten von Kiefernekrosen. Die betroffenen Patienten klagen häufig über Schmerzen im Mundbereich, Probleme bei der Nahrungsaufnahme und stark verminderte Lebensqualität. Zusätzlich können weitere Komplikationen wie Frakturen, Infektionen und die Bildung von Fisteln auftreten.

Trotz Einsatz modernster Behandlungsverfahren verbleibt ein erhebliches Restrisiko für das Wiederauftreten einer Kiefernekrose. Der Grund hierfür liegt in der verzögerten Knochen- und Wundheilung, die als Konsequenz der Einnahme antiresorptiver Medikamente, der Vorerkrankungen, sowie des häufig herabgesetzten Allgemein- und Ernährungszustands der Patienten auftritt.

Aus diesem Grund haben sich sogenannte Fokussuchen im Vorfeld der antiresorbtiven Therapie etabliert. Hierbei werden potenzielle Infektherde und andere dentale Pathologien diagnostiziert und beseitigt, noch bevor die Knochenstoffwechseltherapie beginnt, was die Komplikationsrate erheblich senken kann. Wenn möglich, sollten zahnärztlich-chirurgische Therapien unter antiresorbtiver Therapie unterlassen werden. Sollten diese dennoch nicht vermeidbar sein, sollten sie in einem spezialisierten Zentrum erfolgen, in dem sie von erfahrenen Behandlern unter strenger Einhaltung entsprechender Hygiene- und Therapiestandards durchgeführt werden. 

In unserer speziellen MAK-Ambulanz betreuen wir Sie als PatientInnen vor, während und nach ihrer antiresorbtiven Therapie und kümmern und um Prävention, Therapie und Nachsorge dieses komplexen Krankheitsbildes.